"Nordic Jazz" denkt man bei den ersten Sekunden von "Verivyr". Aber vielleicht ist es auch der Titel, der diese Vorverurteilung anregt. Doch dann entpuppt sich Achim Kaufmann als Musiker, der eher etwas von Thelonious Monk hat, auch wenn er nicht wie dieser komplex und bröckelig gegen Hörgewohnheiten anspielt, sondern letztere gekonnt-elegant unterwandert.
Achim
Kaufmann - "Verivyr"
Mit Jim Black am Schlagwerk und Valdi Kolli am Bass entwickelt dieses Trio ein Netzwerk von Geschwindigkeiten, die bei aller Komplexität doch immer miteinander harmonieren. Wie verlangsamt wirkende Passagen treffen auf kurze, eruptive Ausbrüche, ein Nebeneinander der drei Instrumente kulminiert im melodiösen, sinnlichen Zusammenspiel, das dann funky wird.
Wie nebenbei spielt sich ein jedes Instrument immer mal wieder für kurze Passagen in den Vordergrund, um gleich darauf wieder flink in den Hintergrund zu treten. Musikalische Egomanie scheint sich hier im kompakten Zusammenspiel auszudrücken.
Achim Kaufmann hat eine umfassende Ausbildung bei internationalen Größen absolviert, bevor er Produktionen unter eigenem Namen heraus brachte. (Für sein drittes Album "Gueuledeloup" erhielt er 2001 den SWR-Jazzpreis.) Avantgarde schüttelt Kaufmann wie beiläufig aus dem linken Ärmel, unangestrengt und formsicher. Auf "Verivyr" allerdings ist überhaupt nichts beiläufig.
Michael Freerix
CD: Achim Kaufmann - "Verivyr" (Pirouet Records PIT 3057)
Achim Kaufmann im Internet: www.achimkaufmann.com
Pirouet Records im Internet: www.pirouet.com
Cover: Konstantin Kern