Fett ist es, dieses Gebräu. Auf ihrer neuen CD "The Third Floor" zeigen The Brew keinen Anflug von Erschlaffung. Und offensichtlich ist das Powertrio auch im neuen Jahrtausend noch ein funktionierendes Format, das Grundbedürfnisse bedient, ohne dass man unbedingt musikalisches Neuland betritt. The Brew wenigstens stehen erkennbar auf den stabilen Wurzeln des bluesorientierten 70ies Rock.
The
Brew - "The Third Floor"
Schön aber, wenn außer Kraftmeierei (gehört unbedingt dazu) auch das Songwriting nicht zu kurz kommt dies kommt das beispielsweise im Titelstück zum Tragen, das gleichzeitig die hymnische Ballade darstellt, die das sonst sehr rockige Bild abrundet.
The Brew sind allerdings eher eine Liveband, worauf das Repertoire deutlich abzielt. Ob Kracher wie "Sirens Of War" oder "Six Dead" auf CD funken, kommt stark auf die Hörsituation an. Sobald man sich bewegen kann, ist alles fein; mit Kopfhörer vom Sessel aus (hmm, wer macht das?) ist es dagegen kein rechter Spaß. Daraufhin ist das Album aber auch gar nicht abgemischt.
Die Musik ist grundsolide: Bass und Schlagzeug (Tim und Kurtis Smith) agieren energisch und gut verzahnt, wie es sich gehört und mit Jason Barwick verfügt die Band über einen profilierten Gitarristen, der zudem eine ausgezeichnete Stimme hat. In den rifforientierten Songs schimmern gelegentlich Zitate durch, die an The Who, Hendrix oder Led Zeppelin denken lassen. Wie das akustische "Hard Times" zeigt, kann man aber auch anders und könnte das akustische Spektrum breiter fassen.
Wozu die Band im Stande wäre, zeigt das letzte Stück "Let It Back", wo sie endlich das Experiment wagt, ihre gewohnten Strukturen zu durchbrechen und Mut zur großen Geste zeigt. Leider entgleist der anschließende "hidden Track" in die Form eines (auf CD überflüssigen) Schlagzeugsolos.
Das Potential ist erkennbar da: Mit dem richtigen Produzenten könnten The Brew sich möglicherweise in ungeahnte Höhen aufschwingen. Auf geht's ins nächste Stockwerk!
Frank Bongers
CD: The Brew - "The Third Floor" (Jazzhaus Records JHR 047)
The Brew im Internet: www.the-brew.net
Jazzhaus Records im Internet: www.jazzhausrecords.com
Cover: Gina Bennington